Der EZB-Leitzins verharrt auf 2,25% – und bietet gute Chancen für Immobilienkäufer. Denn nach der Verschnaufpause im Sommer, könnte der Einlagenzins steigen und damit auch die Bauzinsen. Bayern vermeldet Rekordumsätze: 6% mehr Immobilientransaktionen im 1. Halbjahr 2026. Das Ifo-Institut prognostiziert ein sukzessives Wachstum fertiggestellter Neubauten ab 2027 – wenn auch zunächst unterhalb der Zielmarke von 200.000 jährlichen Fertigstellungen. Familien ziehen immer häufiger in Gemeinden sowie kleine Städte. Und in Berlin, München und Hamburg wird tatsächlich am meisten bis Ende 2028 gebaut.
- News 1: Ab 2027 leichter Anstieg für Neubauten denkbar – doch wo wird konkret gebaut?
- News 2: Verschnaufpause für Bauzinsen – EZB belässt Leitzins bei 2,25%
- News 3: Immer mehr Familien ziehen aufs Land – Urbanisierungstrend bei jungen Menschen
- News 4: Rekordverdächtige Immobilienumsätze im 1. Halbjahr 2026
- News 5: Bayern will künftig auf KI-Genehmigungen setzen
- Fazit der Woche: Zuerst Lage, dann Anbieter intensiv vergleichen
Die wichtigsten Entwicklungen der neuen Immobilienwoche im Überblick:
News 1: Ab 2027 leichter Anstieg für Neubauten denkbar – doch wo wird konkret gebaut?
Erst ab 2027 könnte die Anzahl fertiggestellter Wohneinheiten leicht steigen. Wie DIE ZEIT vermeldet, erwartet das Münchner Informations- und Forschungsinstitut Ifo vorerst, dass 2026 die Zahl der Neubauten auf 185.000 fertiggestellte Einheiten weiter sinkt. Grundlage hierfür ist die Prognose der europäischen Forschergruppe Euroconstruct. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, kurz Ifo, begründet dies vor allem mit bürokratischen Hürden sowie Auswirkungen des Irankriegs für den Immobilienmarkt. Insbesondere die lange Wartezeit zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung hat sich seit Anfang der 2020er-Jahre um etwa 6 Monate auf 27 Monate erhöht.
Das Jahr 2027 könnte aber Aufschwung verheißen: 195.000 fertiggestellte Wohneinheiten werden erwartet, 2028 dann 210.000 Einheiten – erstmals wieder ein leicht höherer Wert als 2025.
Doch Prognose-Werte klären noch lange nicht darüber auf, an welchen Standorten bis 2028 tatsächlich gebaut wird. Die neue Geomap-Analyse – berichtet Haufe – gibt Aufschluss. Sie zeigt, wo in Deutschland 2028 am meisten Wohnbauprojekte konkret zu sehen sind: in Berlin (43.520 Wohneinheiten), München (19.486 WE), Hamburg (16.526 WE), Leipzig (8.595 WE), Düsseldorf (8.611 WE), Köln (7.770 WE), Frankfurt a.M. (7.903 WE) und Stuttgart (2.687 WE). Die Auswertung hat auch überraschende Ergebnisse parat – außerhalb von Metropolen: Nürnberg (7.977 WE), Hannover (7.735 WE), Dresden (4.094 WE) und Essen (4.029 WE), schleswig-holsteinisches Pinneberg (3.366 WE), nordrhein-westfälischer Rhein-Kreis Neuss (3.279 WE), Münster (3.251 WE), Potsdam (3.226 WE), Darmstadt (3.045 WE), Dortmund (2.935 WE), Freiburg i. B. (2.892 WE) und Kiel (2.466 WE).
Warum das wichtig ist: In Deutschland ist die Wohnungsnot groß, gerade in Großstädten. Zwar gibt es Bestrebungen seitens der Bundesregierung, mehr Wohnraum zu schaffen, durch Bauturbo und 13-Punkte-Aktionsplan mit u.a. verkürzten Bauleitplanverfahren (wir berichteten). Allerdings wird sich dieses Vorhaben nicht von heute auf morgen realisieren lassen. Käufer und Investoren sollten die politische Richtung, erwartbare Rahmenbedingungen und präferierten Lagen kennen, um eigene Vorhaben besser planen zu können.
News 2: Verschnaufpause für Bauzinsen – EZB belässt Leitzins bei 2,25%
Die Europäische Zentralbank (EZB) räumt möglichen Zinserhöhungen bis September eine Verschnaufpause ein. Der EZB-Leitzins bleibt damit konstant dem seit 6 Wochen geltenden, leicht erhöhten Niveau von 2,25% treu. Ein bisschen ist es die Ruhe vor dem Sturm: Denn Experten rechnen mit noch 2 weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr. Einige Beobachter erwarten auch eine erneute Leitzinsanpassung auf 2,5% ab September, vermeldet das Handelsblatt.
Da geopolitische Spannungen, gestiegene Ölpreise sowie Inflationssorgen infolge des Nahostkonflikts weiter zugenommen haben, sind die Bauzinsen in Deutschland trotzdem wieder leicht gestiegen – über die 4-Prozent-Marke. Das Handelsblatt vermeldet 4,05% für zehnjährige Darlehen. Andere Kreditanbieter bieten für zehnjährige Laufzeiten eine Zinsspanne zwischen 3,57% bis 4,52%, vergleicht die Berliner Morgenpost. Für die kommenden Wochen wird daher eine Seitwärtsbewegung erwartet – zunächst mit Schwankungen, mittelfristig dann mit geringer Aufwärtstendenz.
Warum das wichtig ist: Die Bauzinsen sind entscheidende Grundlage für solide Finanzierungskonzepte. Die EZB-Zinspause sorgt für Planbarkeit. Die kommende Seitwärtsbewegung der Bauzinsen bietet Potenzial für temporäre Chancen. Glaubt man den Experten, sollten Kaufentscheidungen aber nicht zu lange aufgeschoben werden. Denn angesichts zweier erwarteter Zinserhöhungen für 2026 sowie geopolitischer Krisen werden Immobilien im Jahresverlauf nicht unbedingt erschwinglicher. Generell werden Bauzinsen in diesem Jahr, so die Prognosen, jedenfalls erst einmal nicht mehr sinken. Bei guter Bonität und solider Finanzierungsplanung sollte die Kaufentscheidung daher nicht zu lange aufgeschoben werden. Und der Anbietervergleich unterschiedlicher Kreditinstitute gewinnt an Bedeutung.
News 3: Immer mehr Familien ziehen aufs Land – Urbanisierungstrend bei jungen Menschen
Familien (30- bis Unter-50-Jährige) mit Kindern ziehen zunehmend aus der Großstadt aufs Land – in kleinere Städte und Gemeinden. Dagegen zieht es besonders 18- bis Unter-30-Jährige und Zuwanderer aus dem Ausland in Metropolen und Großstädte. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des neuen Stadtentwicklungsberichtes der Bundesregierung, der alle vier Jahre dem Bundestag vorgelegt wird. Auch der Hitzeschutz resilient gebauter Städte bekommt einen wachsenden Stellenwert beigemessen.
Die Bevölkerungsentwicklung ist geprägt vom demografischen Wachstum sowie zeitgleicher Schrumpfung; die Entwicklungen zeichnen sich aber von Region zu Region unterschiedlich ab. Um 120.000 Menschen auf 83,6 Millionen Einwohner hat die Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2024 (im Vergleich zum Vorjahr) zugelegt. Spitzenreiter sind u.a. München, Berlin, Leipzig, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Ulm, Köln, Bonn und deren jeweiliges Umland.
Trotz negativer Einflüsse wie höherer Mieten üben Großstädte ungebrochen Faszination auf Bildungswandernde – im Schnitt zwischen 18 und 25 Jahren – aus. Gründe für das urbane Leben sind u.a. die Dichte und Vielfalt an Bildungseinrichtungen, Handelsangeboten, Produktion, Arbeitsplätzen, hochwertigen Dienstleistungen, kulturellen und touristischen Angeboten sowie Konsum. Diese Möglichkeiten tragen zu individuellen Lebensentwürfen sowie inspirierenden Innovationen bei. Die Stadt muss hierzu nicht groß sein; in 2.150 Kleinstädten leben mittlerweile 29,6% der Gesamtbevölkerung Deutschlands.
Warum das wichtig ist: Wer den Kauf einer Kapitalanlage plant, sollte wissen, welche Mieter-Zielgruppe erreicht werden kann.
News 4: Rekordverdächtige Immobilienumsätze im 1. Halbjahr 2026
Einen sehr guten ersten Halbjahreswert verzeichnet der bayerische Immobilienmarkt. Wie die IZ berichtet, hat sich das Transaktionsvolumen zwischen Januar und Juli 2026 um rund 6% im Vergleich zum Vorjahreswert erhöht – und liegt damit bei insgesamt 28,3 Mrd. €.
Warum das wichtig ist: Wenn die Bauentwicklung progressiv gelingen soll, sind schnelle Genehmigungsstrukturen essenziell. Bayern ist hierbei ein gutes Vorbild auf Länderebene. Auch der Gebäudetyp E wird hier bereits erprobt und kann für schneller realisierten Wohnraum sorgen (wir berichteten).
News 5: Bayern will künftig auf KI-Genehmigungen setzen
Eine Zukunftsvision kündigt sich jetzt im Freistaat an: Künstliche Intelligenz (KI) soll künftig Bauanträge freigeben können. Wie die IZ mitteilt, treibt die Bayerische Staatsregierung dieses Vorhaben an. Der Bayerische Landtag beschäftigt sich aktuell mit dem Thema. Anlass ist das 5. Modernisierungsgesetz des Freistaats.
Warum das wichtig ist: Der nächste Schritt, dass KI künftig Bauanträge genehmigt, ist im Zuge zunehmender rein digitaler Bauanträge in Bayern folgerichtig – und könnte eine große Zeitersparnis für Bauherren bedeuten. Diese klare Planbarkeit der Fertigstellungen könnte zudem Käufern den Einstieg in das Investment erleichtern.
Fazit der Woche: Zuerst Lage, dann Anbieter intensiv vergleichen
Die Signale dieser Woche zeigen: ein durchwachsenes Bild voller Chancen und Risiken. Wie sich die Bauzinsen nach dem Sommer entwickeln, ist noch ungewiss. Aber die Europäische Zentralbank könnte den Leitzins von 2,25% auf 2,5% anheben, so das Risiko, schätzen Experten ein. Wer eine gute Immobilie gefunden hat und über ein gutes Eigenkapitalpolster sowie Finanzierungskonzept verfügt, sollte Chancen, die sich in nächster Zeit bieten, gut nutzen.
Zehnjährige Bauzinsen kratzen aktuell an der 4-Prozent-Marke – darunter ist aber durchaus noch Potenzial gegeben. Es kommt auf die individuelle Bonität an; ausgiebige Kreditkonditionsvergleiche unterschiedlicher Banken lohnen sich daher für jeden Immobilienkäufer.
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| Title Image: | Große Baustelle von oben mit Baukran.jpg © KI-generierte Visualisierung |